Der Stadtname „Wetter“

Warum der Ort den Namen Wetter bekam, weiß man nicht. Der Name Wetter taucht für diesen Ort erstmals im Jahr 1214 in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Adolf I. von Altena zugunsten des Stift Herdecke auf. Darin wird unter den Zeugen ein Fridericus de Wettere aufgeführt. In einer Urkunde des Bischofs Otto I. von Münster aus dem Jahre 1215 zugunsten des Kloster Kappenberg kommen die „edlen“ Brüder Bruno und Fridericus de Wettere vor. Der Name Wetter wurde in alter Zeit unterschiedlich geschrieben. In Urkunden aus der umliegenden Gegend wird die Schreibweise Wetter und Wettere verwendet. In Urkunden aus entfernteren Gebieten wurde je nach Dialekt des Ausstellers folgende Schreibweise gewählt: castrum Wetthere (1273), Wegtere (1310), Schloß Werther (1415), Wattern (1449). Es gibt mehrere Deutungsmöglichkeiten, die aber mehr oder weniger Spekulationen sind.


Das Wetter
Das Wetter ist gezeichnet von sonnigen, regnerischen, stürmischen Zeiten, vom schönen und vom schlechten Wetter. Das Wetter gibt es überall, nicht nur hier am Ruhrbogen im Ruhrtal und es ist hier auch nicht besonders schön oder sonnig auch nicht besonders schlecht, regnerisch oder stürmisch. Das Wetter ist hier am Ruhrbogen für diesen Breitengrad in Mitteleuropa normal, ohne Extreme und ohne Besonderheiten. Den Ort somit nach „dem“ Wetter zu benennen macht keinen Sinn.


Windig
Der Dipl.-Met. Marcus Beyer vom Deutsche Wetterdienst leitet den Namen aus dem althochdeutschen Wort „weter“ für „Wind, Wehen“ ab. Insofern also auch meteorologisch. Lt. Wikipedia wurde Althochdeutsch südlich ab etwa Benrath gesprochen. Wetter liegt jedoch nördlich einer gedachten Benrather Linie und würde daher eher in einem Gebiet liegen, in dem altniederländisch oder altsächsisch gesprochen wurde. Die Begriffserklärung ist jedenfalls nicht ausgeschlossen, man kann sich aber fragen, ob es auf dem Gebiet der heutigen Stadt Wetter windiger war, als in der Umgegend und sich dieser Name dadurch rechtfertigt.


Schlagwetter
Seit vielen hundert Jahren wird in dieser Gegend Kohle abgebaut. Nun könnte man auf die Idee kommen, unser Ortsname hätte mit dem Bergbau zu tun. Im Bergbau gibt es das sog. „Schlagwetter“ oder „schlagende Wetter“. Dies bezeichnet eine Explosion eines besonderen Gasgemisches aus Methan und Luft, das durch einen Funken (z.B. einer Grubenlampe) zur Entzündung gebracht wird. Hier gibt es allerdings zwei Fakten, die dagegen sprechen:
a) Der Bergbau in damaliger Zeit fand eigentlich auf der gegenüberliegenden Ruhrseite (Schlebusch, Esborn, Sprockhövel etc.) statt. Auf dem Gebiet des Stadtteils Alt-Wetter, der bis 1970 die Stadt Wetter war, gab es vor dem 19. Jahrhundert keinen nachweisbaren Bergbau.
b) Der Bergbau im Sinne von Gruben, in denen Schlagwetter vorkommen kann, wurde zu der Zeit, als Wetter um 1214 erstmals urkundlich vorkommt in dieser Gegend nicht betrieben. Der Kohleabbau fand wenn überhaupt nur oberirdisch in sogenannten Pingen statt. Eine Grubentätigkeit gab es nicht.


Vetus
Im lateinischen bedeutet das Wort „vetus“ bzw „vetere“ alt oder das Alter. Dies wäre eine römische Bezeichnung für Wetter, Anzeichen für eine römische Besiedlung sind jedoch nicht vorhanden. Ein römisches Kastell mit Namen „vetere“ lag an der Heerstraße zwischen Köln und Dortmund bei Xanten, schon um eine strategische Namensverwechslung zu vermeiden, hätten die Römer auch nicht den gleichen Namen verwendet.

 

Scharfer Grat
Eine andere Erklärung versucht Jürgen Udolph in seinem Buch „Namenkundliche Studien zum Germanenproblem“. Er stellt auf den germanischen Wortstamm „watheri“ ab und leitet diesen aus dem altsächsischen Wort „hvat“ (scharf, Bsp.: scharfe Bodenerhebung, scharfer Grat) ab. Er begründet es mit einer Erhebung bei oder um den Ort, denn der Ort wurde „oppidum in wettere“ (= Ort in Wetter) genannt. Der Wortteil „wat“ bedeutet soviel wie „scharf“ und „here„, „heren„, „hari“ soviel wie „Schnade“ oder „Scheide auf der Höhe“. Der Name würde demnach „am scharfen Höhenzug“ bedeuten. Zweifel, die Leopold Schütte bzgl. der Herleitung von „watheri“ hat, konnte ich bisher nicht nachlesen. 
Man könnte die Felserhöhung, auf der Burg und Freiheit Wetter angelegt sind, als scharfen Grat bezeichnen, wenn man ihn von der Ruhr (heute Harkortsee) aus betrachtet. Die anschließende Ebene, die sich von hier wie eine schiefe Ebene zur flußabwärts liegenden Seite des Ruhrbogens (zum Wasser hin) nach Westen ergibt, könnte diesen Eindruck verstärken. Die linguistische Herleitung von „watheri“ aus „hvat“ müsste ein Sprachforscher allgemeinverständlich erklären können.


Wache oder Wachturm
Im „Wörterbuch der deutschen Sprache“ aus dem Jahr 1865 wird das Wort „watheri“ zwar auch dem althochdeutschen zugesprochen, aber mit dem Begriff Wächter in Zusammenhang gebracht. Unter der Voraussetzung, dass sich „Wettere“ aus „watheri“ entwickelt hat (dies müsste ein Sprachforscher linguistisch erläutern), hätte der Ort die Funktion eines Wächters gehabt. Bringt man dies mit der sächischen Sigiburg (heute Hohensyburg) und Karl dem Großen fast 400 Jahre zuvor in Verbindung, könnte „auf Wetter“ eine Wache, ein Wächter vielleicht sogar ein Wachturm gewesen sein, der die sächsische Sigiburg vor an der Ruhr vorrückenden Feinden (damals den Franken) warnen sollte. Erklären könnte man, warum der Ort dann althochdeutsch statt altsächsisch benannt wurde: das Gebiet wurde zur Zeit Karls des Großen ins Frankenreich integriert, vermutlich auch sprachlich. Dies ist aufgrund fehlender archäolgischer Funde zugegebenermaßen Spekulation.

 

Schnell fließender Fluß
Es könnte sich um einen alten Flußnamen für die Ruhr handeln. Die Endung „er“ soll gleichbedeutend mit dem angelsächsichen „earu“ (schnell), dem altnordischen „örr“ (rasch, lebendig) bzw. dem altsächsischen „aru“ (fertig) sein. Das würde bedeuten, dass der Fluß an dieser Stelle schnell strömt. Allerdings war die Strömung der Ruhr auch an der Stelle des heutigen Harkortsees nicht sehr schnell, anders als bei dem ursprünglichen Fluß „Wetter“ der im Wetteraukreis in die Nidda fließt oder einem in Urkunden von 1278 vorkommenden Fluß „Wetter“ in der Grafschaft Waldeck (das ist der heutige Fluß „Wettschaft“, der südlich von Wetter/Hessen in die Lahn fließt).

 

Wegbaum
Die Wortendung „tere„, „dere“ oder „doren“ stammt aus dem angelsächsischen bzw. „trae“ aus dem dänischen und bedeutet „Baum“. Nimmt man die Schreibweise von 1310 „Wegtere“ als Grundlage, könnte der Ortsname als „Wegbaum“ gedeutet werden.

 

Wetter ist als Stadtname jedoch nicht einzigartig. Es gibt heute noch den Ort Wetter (Hessen-Nassau, ursprünglich ein Kloster oder Stift) und das Dorf (Weiler) Wetter (auch Wether, Weder oder Wettere genannt) bei Buer, heute zu Melle im Landkreis Osnabrück gehörend.
Im alten Herzogtum Westfalen und den angrenzenden Gebieten war der Name in alter Zeit jedoch häufiger zu finden, z.B. Wetter bzw. Wettere bei Volkmarsen (1158, heute Wetterburg genannt), Burg Wedder bei Dülmen (1155, eigentlich Weddern), Werthere bei Paderborn (1144. hier als Werder = Insel gemeint), Wetter bei Arnsberg (1173, ab 1191 Wetterhof genannt), „in den Wettern“ bei Meschede oder Wetter bei Marienheide (gemeint ist Niederwette).

Auch wenn die tatsächliche Herkunft des Namens wohl nicht aufgeklärt werden kann, dürfte die Deutung „am scharfen Höhenzug“ bzw. „scharfer Grat“ wohl am zutreffensten sein. Das alte Stadtsiegel hatte die Inschrift „S. Opidi in Wettere„, dies deutet an, dass die Gegend den Namen Wetter führte und die Siedlungen im Dorf und in der Freiheit nach der Gegend benannt wurden.

Ein Kommentar

  1. Danke für die weitreichenden Informationen zur Herkunft des Namens der Stadt Wetter

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